Rückblick Ludwig Walter über C. B. Weitzmann - VHS-Munderkingen
Rückblick Ludwig Walter über C. B. Weitzmann

Rückblick Ludwig Walter über C. B. Weitzmann

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Ludwig Walter stellte das Leben des in Munderkingen geborenen Mundartdichters Carl Borromäus Weitzmann (1767 – 1828) vor


Rund 50 geschichtlich Interessierte ließen es sich am Sonntag, 21. Oktober, nicht nehmen, dem ehemaligen Schulleiter der Realschule Munderkingen zuzuhören, was er über den schwäbischen Mundartdichter Carl Borromäus Weitzmann zu erzählen wusste. In seinem spannenden Vortrag, in dem er immer wieder aus dessen Werken rezitierte, ließ er eine beeindruckende Persönlichkeit wieder lebendig werden.
Schon sein Vater, Dr. Friedrich Weitzmann, der als preußischer Kriegsgefangener nach Munderkingen kam, brachte es, nachdem er zum Katholizismus konvertiert war und die angesehene Munderkinger Hirsch-Witwe geehelicht hatte, bis zum Bürgermeister. Deren Sohn Carl Borromäus besuchte zuerst die Lateinschule in Ehingen, bevor er sich nach Wien aufmachte, um dort Philosophie und Jura zu studieren.

Zwei klassische Fächer, die einem jungen Bürger den Weg in den Staatsdienst ebnen sollten. 1793 wurde er in Ehingen Buchhalter bei den Ehinger Landständen und residierte in dem Gebäude, in dem heute das Amtsgericht untergebracht ist. Im nahegelegenen „Schlösschen“ war seine Wohnung, in der er mit seiner Frau lebte. Von den 12 Kindern erlebten nur die Hälfe das Erwachsenenalter.

Seine Bilderbuchkarriere bekam im Jahre 1803 einen jähen Knick. Das katholische Oberschwaben kam infolge der Neuordnung Europas durch Napoleon zum protestantischen Württemberg. Die neue Obrigkeit entließ den nicht als loyal eingeschätzten Weitzmann. Die Pension reichte nicht für ein halbwegs sorgenfreies Leben. Er musste Armenhilfe beantragen, ein bitterer Schritt für einen, der bis vor kurzem zu den Ehinger Honoratioren gehört hatte. Dennoch half er anderen verarmten Ehingern beim Ausfüllen der Bittschriften. Verständlich dass er sein literarisches Talent dazu verwandte, der ungeliebten neuen Obrigkeit eines auszuwischen.
In der Bauernoper „Der schwäbische Jupiter in seinem Grimme“ beschrieb er ein Weltuntergangsszenario, in dem der württembergische König Friedrich als römischer Gott Jupiter verfremdet dargestellt wurde, dessen einzige Tätigkeiten in schlafen, essen und trinken bestanden.

Große Heiterkeit rief beim Publikum Weitzmanns „schwäbische Bauernbeichte“ hervor , aus der Walter genüsslich zitierte: „Du bisch a Sau wie’s koi andere geit…mit eim versoichta Gwissa“ begann der Antwort des Pfarrers auf den unendlich langen Sündenkatalog des reuigen Pönitenten. Vor dem „Te absolvo“ (ich vergebe dir) kam noch der Tipp: „Lass dir an die Hosafalla vom Schmid a Schloss namacha! Womit auch die Art der Sünden erraten werden kann.

Klar, dass der Referent hier die Lacher auf seiner Seite hatte. „Hätte Weitzmann auf Hochdeutsch geschrieben, wäre er wahrscheinlich schon vergessen“, resümierte Ludwig Walter. Erst durch die genaue Beobachtung seiner Landsleute, was Brauchtum, Lebensgewohnheiten und Sprache anbelangt, wurde er zu dem, was damals wie heute sehr geschätzt wurde: Ein bekannter Mundartdichter.
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