Rückblick zu Ludwig Dorners Vortrag „Etz isch noch go gnuag Hai hunta!“ - VHS-Munderkingen
Hänsel und Gretel  - Auftritt der Hexe

Rückblick zu Ludwig Dorners Vortrag „Etz isch noch go gnuag Hai hunta!“

geschrieben von 
Hänsel und Gretel - Auftritt der Hexe ERich Pöschl

25 an schwäbischen Lebensweisheiten und Anekdoten Interessierte waren am Freitag, 9. November, der Einladung der Munderkinger VHS gefolgt, um dem ehemaligen Ehinger Werkrealschullehrer Ludwig Dorner zuzuhören. Gleich zu Beginn erklärte er den Anwesenden, dass Schwäbisch nicht gleich Schwäbisch sei, sondern dass es für ein Wort wie Kartoffel je nach Region zum Teil völlig unterschiedliche Begriffe im Umlauf seien: So seien diese im Schussental als „Aidepfl““ bekannt, im Bodenseeraum als „Bodabirra“ und bei uns als "Grommbirra“. Ähnlich verhalte es sich mit der flüssigen Hinterlassenschaft der Nutztiere. Während man bei uns von „Seuch“ oder „Gilla“ spräche, sei im Allgäu das Wort „Bschütta“ und dazwischen die „Lacha“ gebräuchlich.

Im Anschluss erzählte der Hobby-Sprachforscher und Sprichwortsammler von schwäbischen Lebensweisheiten, auf die er gestoßen sei: „D’r Bauch rausstrecka zieht Falten aus‘m Gsicht“ oder „älles Wissa geht über älles hau“, das den Wert von Wissen und Bildung dem materiellen Besitz überordnet. Bis hin zu recht deftigen Erkenntnissen, wie zum Beispiel „Fuza isch gsinder wia Nießa, des verschittelt den Kopf nit so“. Aber auch längst Vergessenes wurde von Dorner wieder ans Tageslicht gefördert, Sprichwörter, die erst aus dem geschichtlichen Zusammenhang ersichtlich werden, wie das Sprichwort „Lieber an Ratz im Kuchakaschta als n‘ Württemberger auf’m Flur“.

Diese Lebensweisheit entstand, als das einst zum habsburgischen Österreich gehörende katholische Oberschwaben durch die territoriale Neuordnung Deutschland durch Napoleon anfangs des 19. Jahrhunderts dem protestantischen Württemberg zugeschlagen wurde. Die württembergischen Beamten, vor allem Polizei und Steuereintreiber waren nicht sonderlich beliebt, sodass man eine ebenfalls nicht beliebte Ratte dem evangelischen Württemberger vorzog.

Dorner verstand es seine Zuhörer*innen regelrecht zu fesseln. Immer wieder steuerten sie eigene Anekdoten und Sprichwörter bei. Alles in allem ein unterhaltsamer und informativer Abend.

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