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Rückblick: „Illusionen einer Ehe" mit dem „Tournee-Theater Stuttgart“

„Illusionen einer Ehe“, ein Theaterstück von Eric Assous, gespielt vom „Tournee-Theater Stuttgart“ am 16. März 1016 in der Aula der Schillerschule

 Eigentlich sollte es ein harmonisches Frühstück werden. Das Ehepaar Ada (Dorothea Baltzer) und Felix (Klaus Ellmer) sitzen gemütlich beisammen, bis Felix auf die Idee kommt, sich die Seitensprünge während ihrer Ehe zu gestehen – bei gegenseitiger Generalabsolution. Felix kommt auf zwölf, meist sehr kurzen Affären, während Ada nur eine hatte, die aber neun Monate lang andauerte.

Dies bringt den erfolgreichen Geschäftsmann um die Fassung. Während er seine 12 Seitensprünge bagatellisiert, wirft er seiner Frau einen schwerwiegenden Vertrauensbruch vor. Während er vorgibt, sich kaum noch an die Frauen zu erinnern, mit denen er eine oder zwei Nächte verbracht hat („Bei mir war das Hirn nie beteiligt. Die Körper vereinigen sich, aber jeder bleibt für sich“), wirft er seiner Frau vor, ihre ganzen Emotionen, ihre Persönlichkeit in diese mehrmonatige Beziehung gesteckt zu haben, was viel schwerer wiege als seine häufigen Fehltritte. „Ob es dir passt oder nicht. Die Ehe hat uns zu Eigentümern gemacht“, verteidigt der virtuos speilende Klaus Ellmer seine Besitzansprüche auf seine Frau, die durch den Nebenbuhler in Frage gestellt wurden. Eric Assous‘ Stücke sind gekennzeichnet durch spritzige, zum Teil tiefschürfende und entwaffnende Dialoge, die die drei Schauspieler zum Vergnügen des Publikums treffsicher umzusetzen verstanden.

Als Eric (Dirk Deininger), ein guter Freund von Felix, anruft, um sich mit Ada zum Tennis zu verabreden, gerät er gleich ins Fadenkreuz des zusehends die Fassung verlierenden Felix, denn Ada weigert sich konsequent, den Namen ihres Verehrers preiszugeben. Felix lädt ihn sofort zum Essen ein, denn er wittert in Eric den möglichen Konkurrenten. In den nachfolgenden Gesprächen kommt heraus, dass Felix selbst ein Verhältnis mit Erics Frau Brigitte hatte. Aber sowohl Felix als auch Ada leugnen, eine Affäre miteinander gehabt zu haben. Diese Unsicherheit, nichts Genaues zu wissen, macht den einst so selbstsicheren und erfolgreichen Frauenjäger Felix fast schon zu einer paranoiden Person, die in jedem Mann den möglichen Einbrecher in seine Welt wittert, in der er den Ton anzugeben meinte. Ob Ada mit Eric ein Verhältnis hatte, oder mit jemand anderem oder ob es überhaupt eines gab, bleibt bis zum Schluss offen. „Meine Qual war es zu wissen, deine Qual ist, es nicht zu wissen“, bringt Ada das Beziehungsproblem auf den Begriff.

Man kann das Stück als eine Hommage auf die Treue und das grundlegende Vertrauen einer Paarbeziehung verstehen oder eine Entlarvung des Macho-Typen, der für sich eine andere Moral beansprucht als für seine Partnerin: Jedenfalls gelang es den drei Schauspielern, das Publikum eineinhalb Stunden in ihren Bann zu ziehen.

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