Kurse
Zurück

Das „Tournee-Theater-Stuttgart“ spielte die Komödie „Achterbahn“ in der Aula der Schillerschule

Auf den ersten Blick schien es sich um einen Beziehungsklassiker zu handeln: Pierre (gespielt von Klaus Ellmer), ein verheirateter Mann schleppt eine wesentlich jüngere Frau zu sich in die Wohnung ab. Er spielt sich als der Coole und Erfolgreiche auf, er sei Handelsvertreter, zuständig fast für halb Europa. Seine Frau und sein Sohn sind im Skiurlaub. „Ich bin verheiratet, aber nicht gebunden. Jeder tut was er will“, beschwichtigt er Juliette (gespielt von Lucia Glaser) , der die Sache zu heiß zu werden droht.

Aber plötzlich wendet sich das Blatt, zuerst entpuppt sich Juliette als Psychologin, die für ein Frauenmagazin männliches Abschleppverhalten untersucht und nur etwas später als kühl rechnende Prostituierte, die satte 500€ für die Nacht möchte.
Nach einigem Zögern rechnet ihm Juliette vor, dass er eine anständige Dame mehrmals zum Essen einladen müsse, dann käme noch ein teures Hotelzimmer dazu, der Spritverbrauch für so manche Tour, da sei er leicht bei wesentlich mehr als 500€. Schließlich blättert er das Geld hin.

Auf seine eheliche Treue angesprochen, erklärt Pierre seine Lebensphilosophie: „Treue ist doch nicht der größte Liebesbeweis. Wenn ich eine Nacht mit einer Geliebten verbracht habe, bekommt die Ehefrau eine Kreuzfahrt. Das Leben ist kurz! Außerdem leben Frauen länger als Männer!“ Doch wenige Minuten später offenbart Juliette, dass sie gar keine Prostituierte sei, sondern die Kosmetikerin seiner Frau, die sie für einen Spionagedienst beauftragt und bezahlt habe, solange sie im Skiurlaub sei. Als Beweis für ihre neue Identität zeigt sie ihm, dass sie alle Gespräche auf Band aufgenommen hat.
Die ganze Anmache von Pierre, seine Bekundungen über seine Sicht der ehelichen Treue usw. Pierre ist fassungslos. Vom selbstsicheren Frauenjäger wird er zum Gejagten, blanke Panik macht sich breit. Doch er hat eine rettende Idee: Beide können das Band löschen und mit unverfänglichen Dialogen neu bespielen. Ein Unterfangen, das witzige Dialoge zur Folge hatte, das die Zuschauer immer wieder zu Lachsalven hinriss.
 
Doch plötzlich lenkt Juliette das Gespräch auf die Herkunft und die Studienjahre von Pierre und es wird ihm schlagartig klar: Die junge Frau ist weder eine Prostituierte noch eine Spionin, sondern seine eigene Tochter! Die aus Wien stammende Lucia Glaser setzte die verschiedenen Rollen bravourös um. Voller Schuldgefühle bietet Pierre an, ihr jeden Wunsch erfüllen zu wollen. „Ich möchte Achterbahn fahren“! ist die prompte Antwort. Vielleicht von Eric Assous als Kindheitswunsch gedacht, der ihr nie erfüllt wurde, weil Pierre ihre Mutter, eine einfache Sekretärin, verließ und sie ohne Vater aufwachsen musste?

Vielleicht auch, weil das ganze Stück eine Achterbahn der Gefühle für Pierre war. Der Erfolgsautor Assous karikiert in diesem Stück meisterhaft Männer und ihre Anwandlungen in der sogenannten Midlifecrisis! Ein tolles Stück, dem man mehr Zuschauer gewünscht hätte als die drei Dutzend, die sich in die Aula aufgemacht hatten. Aber wer kam, kam voll auf seine Kosten!
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok