VHS Archiv

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Das neue Jahr mit der Brassband Oberschwaben – Allgäu zu begrüßen ist in der St. Dionysius-Kirche seit Jahren eine feste Größe.

Fast 140 Zuhörerinnen und Zuhörer waren der Einladung der VHS und der katholischen Kirchengemeinde in Munderkingen gefolgt, um die Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel zu genießen.
Der Schweizer Dirigent Ueli Kipfer verlangte seinen Musikern einiges ab, aber mit Erfolg.

Ob es sich um Instrumental-Soli handelte wie zum Beispiel Clemens Vetter am Euphonium oder Annika Rau am Flügelhorn oder ob alle 30 Musiker ihre Instrumente betätigten, es war stets ein außergewöhnlicher musikalischer Genuss, der die Gäste sichtlich begeisterte.
Der in der Ravensburger Region ansässige Kinderarzt und -psychologe Dr. Herbert Renz-Polster sprach am Dienstag, 27. Februar vor fast 100 interessierten Zuhörer*innen über Kindererziehung. Das Kinderhaus St. Maria hatte den Fachmann für evolutive Verhaltensforschung nach Munderkingen eingeladen.

Zu Beginn seines Vortrags entführte der Referent seine Zuhörer in die Steinzeit, in der die Menschen als Jäger und Sammler überleben mussten. Kinder konnten nur überleben, wenn sie geborgen in der Gruppe aufwachsen konnten. Denn wir Menschen kommen im Gegensatz zu Tieren völlig schutzlos auf die Welt. Deshalb brauchen Kinder viel Nähe und Körperkontakt. Die Frage vieler Eltern, ob nicht zu viel Nähe der Selbstständigkeit im Wege stehe, sei völlig falsch. Erst wenn ein Kind Nähe erfahre und damit emotionale Stabilität aufbaue, sei es fähig sich der Welt zuzuwenden.

Das Charakteristische an uns Menschen sei, dass wir nicht unsere Eltern kopieren, sondern „wir sind stets dabei Neuland zu schaffen. Kinder gehen nicht in die Welt der Eltern. Unsere Kinder können ihren Reiseplan nicht bei uns abgreifen. Sie leben später unter ihresgleichen, nicht mit uns“, so die Überlegungen Renz-Polsters. Deshalb sei im Kindesalter Spielen, freies Herumtoben und eigene Erfahrungen sammeln wichtiger als ein zu durchgetakteter Kinderalltag in den Kindergärten.
Streng ging der Referent mit Ideen ins Gericht, wie zum Beispiel naturwissenschaftliches Experimentieren in den Kindergärten einzurichten. Solche Versuche stammten aus der Industrie und würden der Psyche und den wahren Bedürfnissen von Kindern nicht gerecht, eben „born to be wild“ zu sein.
Fast 30 Interessierte hatten sich am Donnerstag, 8. März 2018 zu einem neuen „Blick hinter die Kulissen“ zusammengefunden. Diesmal wurden sie von der Leiterin des hauseigenen Bildungsforums durch die weitläufigen Klosteranlagen geführt.

Zuerst machte die Gruppe vor der modernen Klosterkirche Halt. „Es war ein mutiges Zeichen, im Bereich der oberschwäbischen Barockstraße eine so moderne Kirche hinzustellen“, bewertete Schwester Marcella den Bau der Kirche in den sechziger Jahren durch den Schweizer Architekten Hermann Bauer. Sie bekomme manchmal abfällige Bemerkungen zu hören, wie „Gebetssilo“. Das sei aber kein schlechter Vergleich, denn schließlich gehe es bei beiden irgendwie um Nahrung, in der Kirche um geistige Nahrung, gab die Ordensfrau schlagfertig zu bedenken. Profund erklärte Schwester Marcella die theologische Konzeption der Klosterkirche.
So sei links neben dem Eingang ein Relief erkennbar, welches das göttliche Auge symbolisiere und ausdrücke, dass Gott alle Eintretenden willkommen heiße, „unabhängig von Religion, Rasse oder Geschlecht“. Das Material der Treppe und des Vorplatzes wurde bewusst auch in der Kirche verwendet, um zu zeigen, dass der Alltag mit in das Gotteshaus hineingenommen werden soll. „Ein solches Denken ist erst durch das Zweite Vatikanische Konzil möglich geworden, das die Öffnung der katholischen Kirche zu mehr Offenheit angeregt hat“, so die Ordensschwester, die seit 2011 in Untermarchtal tätig ist.

Anschließend wurde die Besuchergruppe durch den landwirtschaftlichen Bereich geführt und man erfuhr, dass 986 Schweine und mehr als 2500 Hühner die diversen Stallungen bevölkern. Allesamt gehalten nach den Vorgaben des Tierwohl-Labels. In der eigenen Metzgerei würden die Tiere geschlachtet, wobei die neuesten EU-Richtlinien umgesetzt werden. Neben der Belieferung der eigenen Großküche werde vor allem Neukauf und Edeka mit den Produkten der klostereignen Landwirtschaft beliefert. 280 Angestellte seien auf dem gesamten Klosterareal beschäftigt, somit sei das Kloster der größte Arbeitgeber am Ort.

Ganz nebenbei erfuhren die Teilnehmer*innen, dass Schwester Marcella 1985 dem Vinzentinerinnenorden beigetreten war und dass sie nach ihrer Ausbildung zur technischen Zeichnerin eine weitere Ausbildung zur Ergotherapeutin absolviert hatte. Auf die Frage, welche Voraussetzungen man erfüllen müsse, um in den Orden aufgenommen zu werden, antwortete sie schmunzelnd: „ledig, katholisch und nicht zu alt,….aber a bissle von der Welt sollte man auch gesehen haben“.

VHS- Leiterin Simone Bertsche bedankte sich mit einem Geschenk für die rund eineinhalbstündige Führung bei Schwester Marcella, die für die Anwesenden einen interessanten „Blick hinter die Kulissen“ des Klosters in Untermarchtal ermöglichte.
Seit einem dreiviertel Jahr musizieren Stella Wagner aus Ulm und Galina Strohwald-Kan aus Illerkirchberg nun zusammen. Den gut zwanzig Munderkingern präsentierten sie am Sonntag, 29. April, ihr erstes gemeinsam geprobtes Stück: Das Opus 39 von Robert Schumann (1810-1856).

Da diese Komposition sehr eng mit der Biographie des in Zwickau geborenen Künstlers verbunden ist, lasen zu Beginn des Konzerts Stella Wagner und  VHS-Leiter Erich Pöschl aus dem Briefen von Clara Wieck und Robert Schumann vor: Robert Schumann, der seine künftige Frau Clara im Haus seines Musiklehrers Friedrich Wieck kennengelernt hatte, musste sogar das „Königliche Appellationsgericht“ in Leipzig bemühen, um schließlich die Ehe bewilligt zu bekommen. Das Wechselbad der Gefühle des über zwei Jahre (zwischen 1837-39)  dauernden Streits zwischen ihm und seinem künftigen Schwiegervater schlug sich gerade in seinem Opus 39 nieder, das zeitgleich entstand.

Dies erforderte von der Sängerin Stella Wagner, wie sie selbst zu Beginn den Zuhörerinnen und Zuhörern mitteilte, höchste Konzentration und schauspielerische Leistung, um diese Stimmungsschwankungen in der Musik abzubilden.

Wie der lang anhaltende Beifall zeigte, ist ihr das bestens gelungen, ebenso wie Galina Strohwald-Kan auf dem Flügel. Die Besucher*innen im Rathaussaal konnten eine kulturgeschichtliche und musikalische Reise in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts unternehmen, was sichtlich gut ankam.

Rückblick: Serenade im Pfarrgarten am 8. Juli 2018

Mit fast 200 Besucher*innen platzte der barocke Pfarrgarten aus allen Nähten. Zum einen lockte das sonnige Wetter, zum anderen der gute Ruf des Ehinger „Montagschors“ unter der Leitung von Wolfgang Gentner.


Zu Beginn bedauerte der Chorleiter die momentane gesellschaftliche Entwicklung, was die Bereitschaft anging, sich einem Chor anzuschließen. Während er sich als junger Musikstudent an der Universität Heidelberg kaum vor Angeboten retten konnte, einen Chor zu übernehmen, sei heute das Gegenteil der Fall: Immer mehr Chöre hörten auf, was er zutiefst bedauerte. Denn schließlich stürbe damit ein Kulturgut, das in Deutschland seit dem frühen 19. Jahrhundert eine starke Tradition habe.


Aber dann ging die musikalische Rundreise los, die die Zuhörer*innen durch drei Kontinente führte: Ob ein rhythmischer afrikanischer Spiritual auf Kisuaheli vorgetragen oder im „Ol‘ man river“-Song der Mississippi besungen wurde, überall bewies der Montagschor seine besondere Klasse. Mit Klassikern wie „Reet petite“ aus dem Fünfzigern oder „Azzurro“, das in den späten Sechzigern zum Schlager avancierte, begeisterten die gut 50 Musiker*innen aus Ehingen und Umgebung ihr Publikum. Auch die Solistinnen Jutta Seidel und Birgit Ertle sowie Michael Locher, der zwei Bass-Soli sag, beeindruckten ihr Publikum, das das Konzert sichtlich genoss.


Die Besonderheit des fast zwei Stunden dauernden Konzerts war die Mischung aus interessanten Hintergründen der jeweiligen Lieder und den Musikstücken selbst. So erfuhr die Zuhörerschaft, dass der italienische Sänger Adriano Celentano von „Azzurro“ überhaupt nicht angetan war und er das Lied regelrecht aufgedrängt bekam. Nicht zu seinem Nachteil, denn es wurde zu seinem populärsten Lied.


Mit der traditionellen Serenade endet das VHS-Jahr. Die VHS-Leitung Simone Bertsche und Erich Pöschl bedanken sich bei allen Besuchern für ihre Treue und wünschen allen schöne und erholsame Sommerurlaubstage!

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